FLOW-Gruppe Minden-Lübbecke am Striethorngraben
(Foto: L. Kalnins)
Leo-Sympher-Berufskolleg und BUND Petershagen erforschen den Striethorngraben
Bereits zum dritten Mal in Folge engagieren sich das Leo-Sympher-Berufskolleg Minden und die Ortsgruppe Petershagen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Rahmen des Citizen-Science-Projekts FLOW des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (www.flow-projekt.de). Ziel des Projekts ist es, gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern Daten zur Gewässergüte von Kleinstgewässern zu erfassen und damit aktiv zum Umweltschutz beizutragen.
Am Striethorngraben im Petershäger Ortsteil Eldagsen trafen sich am 17.06.2025 neun Chemisch-Technischen Assistenten im zweiten Ausbildungsjahr mit ihren Lehrkräften Lisa Kalnins und Bernward Laube sowie Kornelia Fieselmann vom BUND Petershagen. Unterstützt wurde die Gruppe außerdem von Kristina Renz, einer ehemaligen Lehrerin der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule, die ebenfalls seit Jahren im Umweltbildungsbereich aktiv ist.
Die Kooperation zwischen Schule und Umweltverband ist ein Paradebeispiel für gelungene Bildung für nachhaltige Entwicklung. Gemeinsam führten die Teilnehmenden eine ökologische Bewertung des des Striethorngrabens in einem 100 m -Abschnitt zu Struktur, Makrozoobenthos (wirbellose Tiere am Gewässergrund) sowie Chemie/Physik durch.
Untersuchungsergebnisse: Der einst begradigte Bach weist ein aufgebrochenes Regelprofil auf, beinahe durchgehende Ufergehölze aus heimischen Bäumen und Sträuchern sowie eine große Substratdiversität der Gewässersohle mit Sand, Kies, Totholz und Wasserpflanzen. Insgesamt konnte die Gewässerstruktur der Güteklasse 3 (mäßig verändert) zugeordnet werden.
Besonderen Fokus legt das Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung auf die Bestimmung der Pestizidbelastung, die die Artenzusammensetzung in Fließgewässern beeinflusst (Bioindikator SPEAR-Index). Je höher die Schadstoffbelastung desto geringer der Anteil sensitiver Arten. Zu ihnen gehören u. a. Larven von Eintagsfliegen, Köcherfliegen und Libellen. Diese fanden sich zwar in den Kescherproben vor Ort. Allerdings war die Individuenzahl zu gering, der SPEAR-Index demnach unbefriedigend.
Bei der chemischen Analyse wurde besonderes Augenmerk auf die Nährstoffbelastung des Gewässers gelegt. Die chemischen Messungen ergaben eine leicht erhöhte Belastung durch Nitrat und Phosphat, allerdings noch in einem Bereich, der nicht als kritisch einzustufen ist. Um genauere Aussagen treffen zu können, nahmen die Schüler Wasserproben mit in das schuleigene Labor, wo diese unter professionellen Bedingungen weiter analysiert werden. Dies erlaubt nicht nur eine vertiefte Auswertung, sondern stärkt auch die naturwissenschaftliche Ausbildung der Schüler durch reale, praxisnahe Anwendungen.
„Unsere Schüler lernen hier nicht nur den Umgang mit wissenschaftlichen Methoden, sondern sie erleben auch, wie wichtig es ist, Verantwortung für unsere Umwelt zu übernehmen“, betont Lehrerin Lisa Kalnins. Auch Kornelia Fieselmann vom BUND hebt die Bedeutung der Zusammenarbeit hervor: „Es ist großartig zu sehen, wie engagiert die jungen Menschen arbeiten. Durch die Partnerschaft mit dem Berufskolleg können wir unsere lokalen Umweltaktivitäten auf ein wissenschaftliches Fundament stellen.“
Besonders motivierend war der Projekttag auch für die teilnehmenden Schüler. „Es macht Spaß, draußen direkt am Gewässer zu arbeiten und dabei wirklich etwas Sinnvolles zu tun“, sagt Schüler Karim P., 19 Jahre alt.
Das gemeinsame Projekt soll auch in Zukunft fortgeführt werden. Beide Partner – Schule und BUND – sind sich einig: Derartige Kooperationen verbinden Theorie und Praxis, Generationen und Fachrichtungen und stärken das Bewusstsein für die Bedeutung lebendiger Gewässer in unserer Region.
Der Tag am Striethorngraben war nicht nur ein Beitrag zur Umweltforschung, sondern auch ein lebendiges Beispiel dafür, wie Bildung und Ehrenamt Hand in Hand gehen können – zum Wohle von Mensch und Natur.