Kreisgruppe Minden-Lübbecke

Fahrtzeitverkürzung nicht um jeden Preis!

05. Dezember 2020 | Porta Westfalica, Mobilität, Nachhaltigkeit

PM: Das Bundesverkehrsministerium hat nun den Planungsauftrag für eine ICE-Neubaustrecke zwischen Hannover und Bielefeld an die deutsche Bahn vergeben. Grundlage für den Auftrag bilden fünf trassenferne Planungsvarianten. Der BUND Minden-Lübbecke befürchtet massive Umweltzerstörungen und spricht sich für einen Ausbau entlang der bestehenden Strecke aus. Vonseiten des Ministeriums wird argumentiert, dass sich nur mit einer trassenfernen Neubaustrecke eine Fahrzeitverkürzung auf 30 Minuten zwischen den Knotenpunkten Hannover und Bielefeld erreichen lässt. Der Deutschlandtakt, wesentlicher Baustein des „neuen Eisenbahnzeitalters“, schreibt diesen Takt zwischen ausgewählten großen Städten vor. Im Fernzugverkehr sollen Hochgeschwindigkeitsstrecken, die auch zwischen Hannover und Bielefeld angedacht sind, den innerdeutschen Flugverkehr – hier Flüge von Düsseldorf nach Berlin - ersetzen.
Der BUND begrüßt Ziele zur Modernisierung der Bahn: mehr Reiseverbindungen gut abgestimmte Anschlüsse und kürzere Reisezeiten im Personenverkehr. Die Gewichtung allerdings, die die schnellere und teure Anbindung des Schienen-Fernverkehrs aus dem Ruhrgebiet in die Hauptstadt mit der Hochgeschwindigkeitsstrecke erfährt, ist nicht nachvollziehbar. Zumal nicht gesichert ist, ob das Bahnangebot dort überhaupt angenommen wird. „Um potentielle Bahnkunden zu gewinnen, sollte man nicht unbedingt die Geschwindigkeit im Blick haben, sondern vor allem eine höhere Taktfrequenz, die Beseitigung von Engpässen im Schienennetz und die Modernisierung der Bahninfrastruktur“, so Stefan Lange vom BUND Minden, „Neue Gleise sollten trassennah zum existierenden Schienennetz gebaut werden, wie es für den Bereich Bielefeld – Hannover seit vielen Jahren geplant ist.“
Die Bahn stellt verglichen mit anderen Verkehrsmitteln (Pkw, Flugzeug) ein umweltverträgliches Verkehrsmittel dar und sollte unbedingt gefördert werden. Dennoch muss berücksichtigt werden, Eingriffe in die Natur und Landschaft so gering wie möglich zu halten. Sonja Fritsch aus Porta Westfalica und im Vorstand der BUND-Kreisgruppe Minden-Lübbecke stellt fest:: “Alle jetzt vorgestellten Planungsvarianten betreffen Porta Westfalica, die Natur und Landschaft hier, warscheinlich auch 2 Naturschutzgebiete sowie Wasserschutzzonen. Drei von den fünf Varianten würden eh nicht die Zielvorgabe von 30 Minuten erreichen und liegen wenige Minuten darüber. Ein geringer Zeitvorteil, erkauft mit Milliardenbeträgen, bedeutet für uns, die wir hier leben, massive Veränderungen. Von der Zerschneidung der Landschaft, Flächenversiegelung und Verlärmung werden auch zukünftige Generationen beeinträchtigt sein. Eine Modernisierung des Bahnverkehrs ja, aber nicht um jeden Preis!“

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