Ebenso ist Hühnertrockenkot - der häufig frei gelagert und anschließend großflächig auf Ackerflächen aufgebracht wird - eine starke Quelle für Endotoxine. Diese bestehen aus den Zellbestandteilen zerstörter Bakterien und können zu Blutungen, Stoffwechselstörungen und im schlimmsten Fall zu Multi-Organversagen führen.

Außerdem sind in Hühnertrockenkot und in der Abluft der Ställe große Mengen multiresistente Keime und ESBL-bildende Keime enthalten. Diese sind noch gefährlicher als Endotoxine. Es sind Krankheitserreger, die gegen die Behandlung mit Antibiotika resistent sind. Diese Resistenzen sind entstanden, weil Antibiotika in der Masttierhaltung lange Zeit zur Leistungssteigerung der Tiere verwendet wurden. »In niedriger Dosierung sorgen sie für mehr Eier, mehr Milch, mehr Fleisch« erläuterte Dr. Fein. Zwar sind seit 2006 in der EU der Verwendung von Antibiotika als Wachstumsmittel verboten, trotzdem wurden in 2011 noch 1734 Tonnen Antibiotika an Tiere in agrarindustrieller Produktion verfüttert. In der Humanmedizin wurden im gleichen Zeitraum 380 Tonnen Antibiotika eingesetzt. Laut Dr. Fein hätten Untersuchungen ergeben, dass erkrankte Tiere häufig nicht lange genug und in zu geringer Konzentration mit Antibiotika behandelt werden um alle Krankheitserreger abzutöten. Er sieht darin ein Indiz für einen weiteren Einsatz von Antibiotika als Wachstumsunterstützer. Zusätzlich ist aufgrund der hohen Bestandsdichte und der gesundheitswidrigen und damit tierquälerischen Haltungsbedingungen in den Großställen ein Verzicht auf Antibiotikagaben während der Mastzeit kaum möglich.

Eine besondere Gefahr der multiresistenten Keime besteht darin, dass das Resistenzgen in Krankenhäuser eingeschleppt wird und dort zu massiven und lebensbedrohlichen Problemen führt. Siegfried Gutsche, Landratskandidat der Grünen und Mitglied im Verwaltungsrat der Mühlenkreiskliniken berichtete dazu: »Die Mühlenkreiskliniken sind MRSA zertifiziert, das heißt, dass risikobehaftete Patienten vor Eingriffen auf MRSA untersucht werden um eine Gefahr der Verbreitung der Keime zu reduzieren. Leider sind wir in Deutschland noch nicht soweit wie die Niederlande. Dort wird jeder Patient, der in ein Krankenhaus kommt, auf MRSA-Keime untersucht. Es mangelt in Deutschland an der regelmäßigen Kostenübernahme der Untersuchung durch die Krankenkassen. Diese vergleichsweise geringen Kosten, wären gut investiertes Geld um immense Folgekosten zu verhindern und den Patienten ein Mehr an Sicherheit zu bieten«.

Dr. Fein berichtete aus seiner Praxis, dass es durch zunehmende Resistenzen immer schwieriger werde, häufige Infektionen mit gängigen Antibiotika zu behandeln. Mittlerweile werden auch für die sogenannten Reserve-Antibiotika teilweise Resistenzen nachgewiesen. »Man wird sich entscheiden müssen, ob man Antibiotika künftig noch für die Behandlung von Menschen einsetzen oder sie zur Produktion billigen Fleisches nutzen will«, ist sein Fazit.

Billiges Fleisch kommt uns teuer zu stehen, war ein Ergebnis der sich anschließenden - Diskussionsrunde. 

Studie Gesundheitsgefährdung durch Hähnchenmastanlagen in der Intensivtierhaltung siehe www.bi-norden.de/info/down_studie.php

Fachausdrücke einfach erklärt:

MRSA ist die Abkürzung für »Methicilllin-resistenter Staphylococcus aureus«, das sind Bakterienstämme vom Typ Staphylococcus aureus, die gegen viele der gängigen Antibiotika, insbesondere gegen Penicillin und verwandte Antibiotika resistent sind. MRSA wird aber auch verallgemeinernd als Bezeichnung für multi-resistente Keime verwendet. Multi-resistente Keime treten gehäuft dann auf, wenn bereits Antibiotika eingesetzt werden, da durch die Antibiotika die nicht-resistenten Keime abgetötet werden und sich die MRSA ohne Konkurrenz ausbreiten können.

ESBL-bildende Bakterien

Die Abkürzung ESBL steht für »Extended-Spectrum Beta-Lactamasen« und bezeichnet Enzyme, die die Wirksamkeit verschiedener Antibiotika mindern oder sogar aufheben können. Insbesondere Bakterien aus der Familie der Enterobakterien (Darmbakterien, Enteron, gr. = Darm) können diese Enzyme produzieren und dadurch resistent gegenüber verschiedenen Antibiotika werden. Antibiotikaresistenzen sind ein erhebliches Risiko für die Gesundheit von Menschen und Tieren.

Endotoxine

Endotoxine sind hitzestabile Zerfallsprodukte der äußeren Zellmembran von Bakterien. Sie werden besonders nach Antibiotikabehandlungen freigesetzt, wenn viele Bakterien zerstört werden. Endotoxine sind - im Gegensatz zu den Bakterien, aus denen sie stammen - gegenüber äußeren Einflüssen sehr widerstandsfähig und ihre biologische Aktivität kann über viele Jahre erhalten bleiben. Sie werden über die Lunge aufgenommen und können zu einem septischen Krankheitsbild mit plötzlich auftretendem hohen Fieber und Störungen der Blutgerinnung bis hin zum Multiorganversagen mit Schock führen.




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